Einfach oder doch lieber kompliziert?

Staaten erfinden sehr unterschiedliche Lösungen, um mehr Steuern einzunehmen. Beispiele? Bitte.

Planwirtschaft heißt das Rezept der Schwarzmeer-Region Krasnodar. Bauern, die zu wenig Getreide, Zuckerrüben oder Mais ernten, müssen seit 2006 eine Strafe zwischen 15 und 600 Euro entrichten, soll die Moskauer Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ berichtet haben. Und warum? Das Finanzamt geht davon aus, dass die Bauern absichtlich geringe Ernten eingefahren haben, um Steuern zu sparen.

Auf eine marktwirtschaftliche Lösung setzt dagegen die indische Stadt Patna, habe ich vor kurzem bei wiwo.de gelesen. Dort bekommen säumige Zahler Besuch von Straßenmusikern. Die stellen sich vor die Häuser der Steuersünder und singen, tanzen und trommeln solange, bis die Steuerzahler ihre Schulden begleichen. Die Steuereintreiber bekommen hierfür kein Gehalt, sondern eine Provision.

In Schweden dagegen setzen sie auf Transparenz. Dort erscheint jährlich eine nach Postleitzahlen sortierte Liste, in der säuberlich aufgelistet steht, wie hoch Einkommen, Vermögen und Steuerschuld jedes Bürgers sind. Die Zahlungsmoral soll gut sein, berichtete die Onlineredaktion der Wirtschaftswoche.

Ob das nun daran liegt, dass Steuerzahlen dort so einfach ist? Das geht sogar per App, stand neulich in der Neuen Westfälischen Zeitung Online. Statt mit grauen Briefen zugeworfen zu werden, begrüße die App den deutschen Steuerberater, der sein schwedisches Ferienhaus versteuern will, mit „Hej Gerhard“, steht da.

Hach, was wäre das schön. So einfach.

Obwohl – vielleicht sollten wir doch froh sein, dass unser Steuersystem so kompliziert ist. Die Steuern wären sonst womöglich viel höher, hat das amerikanische Wirtschaftsmagazin Smartmoney da vor einigen Monaten erklärt. In den USA seien Steuern so schmerzvoll kompliziert, dass fast 60 Prozent der Amerikaner einen Steuerberater engagierten, jammerte das Blatt da und fragte sich: „Wenn Sie den jährlichen Tribut in Tränen und Geld überdenken – ist es der Schmerz nicht vielleicht doch wert?“

Sei es nicht eine gute Erinnerung an die Kosten des Staates? „Je weniger die Gans das Rupfen spürt, desto mehr Federn kann der Rupfer sammeln“, überlegt das Portal.

Immerhin hätten empirische Studien ergeben, dass die Menschen weniger auf die Höhe der Steuern achte, wenn sie einfach zu entrichten sei. Die Ökonomin Amy Finkelstein habe das am Beispiel des amerikanischen Mautsystems nachgewiesen. „Eine schmerzfreie Steuereintreibung erlaubt es somit dem Staat, die Steuern leichter hochzusetzen“.

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