Brasilien-Orakel

Wer weiß, vielleicht zeigt Brasilien uns ja, wo unsere Zukunft liegt?

Oder hätten Sie vielleicht gedacht, dass es auch in Brasilien einen bürokratischen Dschungel ganz besonderer Art gibt? Nicht nur echten Dschungel. Darüber berichtete Spiegel Online kürzlich. „Bei der Geburt erhält jeder Brasilianer zwei Gaben als Mitgift“, stand da: „ein Trikot des Lieblingsfußballvereins seines Vaters und die Steuernummer vom Finanzamt, genannt CPF, „Cadastro de Pessoa Física“.“

Gut, eine Steueridentifikationsnummer für jeden Bürger vom Säugling bis zum Greis haben wir hier seit 2007 auch. Die gilt wundersamerweise sogar bis zu 20 Jahre nach dem Tod.

Aber hier werden Sie kaum je an die Existenz dieser Nummer erinnert. Nur die Bank fragt vielleicht mal, wenn es Kapitalerträge zu versteuern gibt. Und wenn Sie ein Kind bekommen, flattert Ihnen dessen neue, lebenslang gültige Registrierungsnummer sofort ins Haus. Sonst merken Sie praktisch nichts davon.

Anders in Brasilien. Am Zuckerhut geht ohne Steuernummer nichts. Ohne CPF können Sie kein Konto eröffnen, keinen Personalausweis verlängern – nicht einmal einen Kühlschrank kaufen oder eine Reise buchen. Am Zeitungskiosk bekommen Sie ohne Nummer keine Quittung.

Die Devise ist klar: „Vertrauen ist gut, draufsetzen ist besser“. Habe ich nicht erfunden – hat vor ein paar Jahren mal ein Freund von mir gesagt. Passt doch. „Der Staat erfindet immer neue Gesetze, Regeln und Register, um seinen Bürgern auch den letzten Real aus der Tasche zu ziehen“, schreibt Spiegel Online weiter. „Gleichzeitig denken sich die Bürger immer neue Tricks aus, um das zu vermeiden.“

Noch sind wir hier nicht ganz so weit, aber die Tendenz ist schon da.

Und auch was die Zukunft des Rentenversicherungssystems betrifft, sollten wir ruhig einen Blick nach Brasilien tun: in die Rentenkasse. Dort haben sie nämlich auch ein Rentenproblem. In Schieflage gerät die brasilianische Rentenkasse aber offenbar durch potenzsteigernde Mittel. Zu dem Ergebnis kam Paulo Tafner, Autor einer Studie der Nationalen Versicherungsanstalt. Die „schwere Herausforderung für die Zukunft unseres Landes“ besteht laut dieser Studie darin, dass 64 Prozent der geschiedenen Männer über 50 Jahren beim zweiten Mal eine weitaus jüngere Frau ehelichen. Bei den 60-bis 64-Jährigen sind es sogar noch mehr: Von ihnen heiraten sogar 69 Prozent eine 30-Jährige oder noch jüngere Partnerin. Und all diese vielen grünen Witwen haben dann alle einmal mit etwa 40 Jahren einen lebenslangen Anspruch auf Witwenrente… Statt der für das brasilianische Rentensystem kalkulierten im Schnitt 15 Jahre – bei uns sind es derzeit 20 Jahre, habe ich kürzlich gelesen –, liegen die grünen Witwen der Rentenkasse rund 35 Jahre auf der Tasche.

Noch haben wir das Problem hier so ja nicht. Aber erste Anfänge scheint es zu geben. Oder wie soll ich denn bitte sonst die Annonce verstehen, die da vor einigen Monaten irgendeiner Tageszeitung ihren Weg in die Hohlspiegel-Rubrik des „Spiegel“ gefunden hat? Darin suchte eine junge Krankenschwester recht unverblümt einen alten Herrn: „zwecks Versorgungs-Ehe – No Sex“, stand da. Meine Herren.

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