Hello again…

Kleine und mittlere Einkommen zu entlasten, ist offenbar konsensfähig.

„Welt Online“ berichtet über eine aktuelle Umfrage des Institutes dimap, nach der 66 Prozent der Bundesbürger eine Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen für richtig halten. Nach Parteien aufgeschlüsselt, sind 72 Prozent der Unionsanhänger dafür und 65 Prozent der SPD-Sympathisanten.

Ganz große Koalition also.

Aber gerade für Geringverdiener wäre es sinnvoller, vor den Steuernachlässen erst einmal die Sozialabgaben herunterzufahren. Schließlich zahlen a) nur die Hälfte der Haushalte überhaupt Steuern. Die andere Hälfte hätte also von den Senkungen nichts.

Aber nicht nur das spricht dafür, sondern auch dass die Sozialabgaben der Höhe nach dem Leistungsprinzip widersprechen. Sie schlagen vom ersten Euro an mit 20,4 Prozent zu. Für Freiberufler wie mich und andere Versicherte der Künstlersozialkasse gilt übrigens theoretisch – und wahrscheinlich auch praktisch – ein Mindestbeitrag von monatlich rund 80 Euro, einkommensunabhängig. Und ab einem Einkommen von 4.800 Euro bzw. 57.600 Euro Jahreseinkommen steigen die Sozialabgaben nicht mehr weiter.

Das Gegenteil von Progression also.

Mit den für kleine und mittlere Einkommen überproportional steigenden Steuertarifen kommt da einiges zusammen.

Halten wir mal fest: Bei den derzeitigen Steuersätzen haben Geringverdiener eine Mindestbelastung von 20,4 Prozent. Ab einem monatlichen Einkommen von knapp 670 Euro aufwärts an (die 8004 Euro Grundfreibetrag pro Person bleiben steuerfrei) kommt mit jedem Euro ein bisschen was an Steuern dazu.

Konkret: Mit 14 Prozent Grenzsteuersatz für jeden zusätzlich verdienten Euro fängt es an – macht zunächst also 21,4 Prozent Gesamtbelastung. Anfangs. Tendenz rasch steigend. Mit 20.000 Euro Einkommen führen Sie laut Grundtabelle für Singles und getrennt Veranlagte schon 34,4 Prozent insgesamt ab – bei 14 Prozent Durchschnitts- und 28 Prozent Grenzsteuersatz.

Warum ich das vorrechne?

Weil heute wieder Steuerzahlergedenktag ist. Seit heute früh arbeiten wir alle auf eigene Rechnung.

Hallo Geld.

Den Gedenktag ruft einmal jährlich der Bund der Steuerzahler aus. Zum Gedenken daran, dass Sie bis zu diesem Tag – 3.36 Uhr, so genau nimmt es der Verband – Ihre gesamten Einkünfte an den Staat abgetreten haben. Dieses Jahr werden es übrigens laut Steuerzahlerbund voraussichtlich 51 Prozent für Steuern und Sozialabgaben sein. Das hat der Steuerzahlerbund anhand der Volkswirtschaftlichen Einkommensbelastungsquote (Summe der Steuern und Abgaben im Verhältnis zum Volkseinkommen) ausgerechnet, teilt er mit. Falls Sie nachrechnen wollen.

Insgesamt setzt sich dem Verband zufolge die Belastung so zusammen:

  • 10,20 Prozent: Lohn- und Einkommensteuer sowie Solidaritätszuschlag
  • 10,10 Prozent: Rentenversicherung
  • 7,80 Prozent: Krankenversicherung
  • 7,10 Prozent: Mehrwertsteuer
  • 2,00 Prozent: Energiesteuer
  • 1,50 Prozent: Arbeitslosenversicherung
  • 1,00 Prozent: Pflegeversicherung
  • 11,30 Prozent: Sonstige Steuern und Abgaben, wie Erbschaftssteuer, Kraftfahrzeugsteuer, Versicherungssteuer, Hundesteuer, Kaffeesteuer usw.

(Quelle: Bund der Steuerzahler, Prognose für 2011, Summe der Steuern und Abgaben entsprechen 51 Prozent des Volkseinkommens)

Damit die durch heimlichen Steuererhöhungen – kalte Progression – den Tag nicht noch weiter nach hinten wandern lassen, fordert der Verband, die von der Regierung geplante Korrektur am Steuertarif schon im kommenden Jahr greifen zu lassen.

Aber wie schon gesagt: Die Hälfte der Haushalte hätte davon nichts.

Ihnen wäre geholfen, wenn die Sozialversicherungen nicht weiter mit Angelegenheiten belastet würden, die eigentlich Sache aller Steuerzahler sind, jüngst zum Beispiel Mütter-Kind-Kuren – so sinnvoll die sicherlich sind. Aber warum nur die gesetzlich Versicherten dafür bezahlen lassen?

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